FabLab Neustadt a. d. Aisch - Bad Windsheim

Neustadt a. d. Aisch - Bad Windsheim

Aktuelles

Sommerpause ade - Reparateure wieder am Start

Letzte Hoffnung für so manchen „Patienten“

Es war ein Experiment mit unsicherem Ausgang: Als vor einem Jahr das erste Reparatur-Café im Landkreis an den Start ging, wusste niemand so recht, ob es für ein solches Angebot überhaupt eine Nachfrage geben würde. Die überwältigende Resonanz wischte schnell alle Bedenken beiseite und wenn am kommenden Samstag, 24. September, der Betrieb nach der Sommerpause wieder aufgenommen wird, sind die Verantwortlichen durchwegs optimistisch gestimmt.
„Da haben sich zwei gesucht und gefunden“, erinnert sich Matthias Oberth, Vorsitzender des Trägervereins des Bad Windsheimer Jugendtreffs Schneiderscheune, an die Planungsphase des Reparatur-Cafés. In der Kurstadt machte man sich nämlich eigentlich gerade Gedanken über die Einrichtung eines Fab-Labs im Jugendtreff und hatte seine Fühler schon zu ähnlichen Einrichtungen in der Region ausgestreckt. Dass an vielen Fab-Labs, die sich unter anderem um einen spielerischen Zugang an hochtechnische Gerätschaften bemühen, automatisch ein Reparatur-Café angeschlossen ist, ließ die Bad Windsheimer aufhorchen.

Parallel machten sich in Neustadt/Aisch der umtriebige Pensionär Heinz Gaksch und Dorothea Hübner, vom Freiwilligenenzentrum „mach mit!“ Gedanken über ein sinnvolles Projekt zur Reparatur und Wiederverwendung von Gebrauchsgegenständen und Gerätschaften. Bei einer Informationsveranstaltung zum Thema „Fab-Lab“ im Landratsamt traf man erstmals aufeinander und dann ging alles ganz schnell.

Die Basis bildeten von Beginn an fünf bis acht Reparateure, die sich für die Idee des gemeinsamen Tüftelns, Bastelns und gegenseitigen Helfens begeistern konnten. Dank eines weltweit agierenden Netzwerks von „Repair-Cafés“ waren die haftungsrechtlichen und organisatorischen Fragen schnell geklärt und am 26. September 2015 öffnete im Bad Windsheimer Jugendtreff das Reparatur-Café erstmals seine Pforten, um anschließend im Wechsel mit dem Neustädter Jugendtreff Lazarett jeweils am letzten Samstag jeden Monats seine Dienste anzubieten.
„Unser Ziel war und ist, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten“, erläutert Heinz Gaksch das Prinzip des Reparatur-Cafés. Wer lediglich sein defektes Gerät abgeben und repariert wieder abholen möchte, ist hier an der falschen Adresse. „Wir machen dem örtlichen Fachhandel keine Konkurrenz“, betont Gaksch. Zumeist haben die „Kunden“ Gerätschaften im Gepäck, bei denen sich die Reparatur durch einen Fachbetrieb nicht mehr lohnt, so die Beobachtung vor Ort. Gleichzeitig hängen viele Menschen an bestimmten Gegenständen oder wollen sich mit durchaus von den Herstellern gewollten, kurzen Lebensdauer eines Geräts nicht abfinden. „Wenn wir eine kleine Standuhr unter der Glashaube wieder zum Laufen bringen und die Besitzerin mit Tränen in den Augen für die Reparatur dieses Erinnerungsstücks dankt, dann ist das schon etwas ganz Besonderes“, so Gaksch über den Ansporn für seine Tätigkeit als Reparateur.
Aber auch skurrile Erlebnisse, wie die tote Maus in einem Staubsauger, die für den bestialischen Geruch nach Inbetriebnahme verantwortlich war, werden nicht so schnell in Vergessenheit geraten. Zum Reparatur-Café gehört auch die Bereitschaft zum Scheitern. „Manches ist unrettbar verloren, weil Ersatzteile nicht mehr zu beschaffen sind, früherer Reparaturversuche irreparable Schäden hinterlassen haben oder eben tatsächlich ein Gerät das Ende seiner Funktionstüchtigkeit erreicht hat“, macht Gaksch deutlich. Umso mehr Freude macht es, wenn „einer dem anderen weiterhelfen kann“. Die Reparateure kommen nämlich aus den unterschiedlichsten Berufs- und Interessensgruppen. Von der Schneiderin bis hin zum Elektroingenieur reicht das Spektrum des Fachwissen und vom 25- bis zum 70-Jährigen das Alter der Aktiven.
Also alles im grünen Bereich, wenn das Reparatur-Café am Samstag, 24. September, von 10 bis 14 Uhr in sein zweites Jahr geht? Sicher nicht, gibt Matthias Oberth unumwunden zu. „Wir haben glücklicherweise einen festen Stamm an Reparateuren, die regelmäßig einen Samstag im Monat opfern, dennoch wären zusätzliche ehrenamtliche Unterstützerinnen und Unterstützer wünschenswert“, so der Vereinsvorsitzende. Wer neugierig geworden ist oder einen „Patienten“ zu Hause hat, den er den Reparateuren anvertrauen möchte, ist am kommenden Samstag in Bad Windsheim im Jugendtreff Schneiderscheune oder am Samstag, 29. Oktober, in Neustadt/Aisch im Jugentreff Lazarett herzlich willkommen.